Das Thromboserisiko im Blick: Warum Vorsorge aus mehr als nur einem Labortest besteht
Die wichtigsten Risikofaktoren im Überblick
- Dispositionelle Faktoren (Ihre persönliche Veranlagung): Hierzu zählen eine familiäre Neigung zu Blutgerinnseln, ein höheres Lebensalter, Krebserkrankungen oder chronisch-entzündliche Krankheiten.
- Expositionelle Faktoren (Äußere Einflüsse und Situationen): Dazu gehören längere Phasen der Bettlägerigkeit (z. B. nach Operationen oder bei schweren Infekten), Gipsverbände, Langstreckenflüge, Rauchen, Übergewicht sowie die Einnahme bestimmter Medikamente wie der „Pille“ oder einer Hormonersatztherapie.
Warum ein pauschaler Labortest selten sinnvoll ist
Wann ist eine Labordiagnostik tatsächlich sinnvoll?
- Sie oder enge Familienmitglieder bereits in jungen Jahren (unter 50) eine ungeklärte Thrombose oder Lungenembolie erlitten haben.
- Thrombosen wiederholt auftreten, ohne dass ein klarer Auslöser (wie eine OP) vorlag.
- Eine Schwangerschaft geplant ist und eine starke familiäre Vorbelastung bekannt ist.
Thrombophilie bezeichnet angeborene oder erworbenen Störungen der Blutgerinnung, die mit einem erhöhten Risiko einhergehen, thromboembolische Ereignisse zu entwickeln. Es wird zwischen schweren (high-risk) und milden (low-risk) Thrombophilien unterschieden, die sich bezüglich des Rezidivrisikos unterscheiden. Milde Thrombophilien haben in der Regel einen geringen Einfluss auf das VTERezidivrisiko.
Ein Thrombophilie-Screening ist nur sinnvoll, wenn sich aus dem Ergebnis auch therapeutische Konsequenzen für die Patientin/den Patienten ergeben und ist somit eine Einzelfallentscheidung. Im klinischen Alltag werden meistens Patient:innen, die in jungen Jahren eine VTE haben, solche mit spontanen Ereignissen, Rezidiv-VTE oder atypischer Thromboselokalisation, sowie Patient:innen mit positiver Familienanamnese, einem Thrombophilie-Screening zugeführ
Labordiagnostik bei V. a. eine hereditäre Thrombophilie:
– Genanalytik: Faktor-V und Leiden-Mutation und Prothrombin-G20210A Mutation
– Gerinnungsfaktoren: Antithrombin-Aktivität und Protein S- und Protein-C-Aktivität
Labordiagnostik bei zusätzlichem V. a. ein APS (erworbene Thrombophilie):
– Serologie: Lupusantikoagulans und Anti-Cardiolipin-Antikörper vom IgG- und IgM-Typ und Anti-beta-2-Glykoprotein-I-Antikörper vom IgG- und IgM-Typ
In Einzelfällen können weitere Parameter (z. B. Faktor VIII, Fibrinogen, D-Dimer, Blutgruppe) angefordert werden, um das Rezidivrisiko einzuschätzen.
Bei Vorliegen von Thrombosen ungewöhnlicher Lokalisation (z. B. hepatische Thrombosen, Portal-, Mesenterial- und Milzvenenthrombosen) kann ferner eine erweiterte Diagnostik mit Untersuchung der JAK2-V617FMutation der Tyrosinkinase JAK2 sinnvoll sein. Diese Mutation wird bei myeloproliferativen Erkrankungen (wie z. B. PV oder ET) detektiert, auch wenn noch keine klinischen Zeichen darauf hindeuten